Entdeckungen im Alltag

Das Besondere im Alltag bemerken.

Farbiger Herbstschnee

30. Oktober 2016 von Karin Mühlenberg | Keine Kommentare

Herbst Laub Wege Schatten Foto Natur, Karin Mühlenberg

(zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken)

Es gabeln sich die Wege

Teils verdeckt vom Laub

Schatten malen rege

Neue Strecken auf.

 

Leises Blätterfallen

Jahresabschied bunt

Freude an den Farben

Veränderung wird kund.

 

Wohin soll es gehen?

Ein Bild  im Richtungsrausch.

Wer genau will sehen

Findet seinen Lauf.

(Karin Mühlenberg)

 

 

Blüte in der Nacht: die Nachtkerze

4. September 2015 von Karin Mühlenberg | Keine Kommentare

Die Vielfalt der Natur überrascht mich immer wieder. Nun ist mir die Nachtkerze begegnet.

Nachtkerze Oinotheris biennis. Foto von Karin Mühlenberg, 29.08.2015

Die hochwachsende Pflanze entfaltet ihre Schönheit im Gegensatz zu den meisten anderen Blumen erst zur Nacht hin, wenn sich ihre zahlreichen gelben Blüten zu unterschiedlichen Zeiten in der Abenddämmerung öffnen und einen angenehmen Duft verströmen. Sie ist so zusagen voll in ihrem Element, wenn die anderen Blumen ihre Blüten schließen. Allerdings nur kurz. Sie verblüht nach einer Nacht.

Als Zierpflanze ist sie im Blumenhandel oder Gartencenter nicht zu finden. Sie gilt als Neophyt – so werden Pflanzenarten bezeichnet, die aus fremden Ländern beabsichtigt oder ohne Absicht nach Deutschland kommen. Und bleiben. Sie vermehren sich gut und verbreiten sich geplant oder überraschend, weil ihnen die Lebensbedingungen hier behagen. Dazu zählen Nutzpflanzen wie Mais und Kartoffeln, Ziergehölze wie der Essigbaum oder die Schwarzkiefer sowie Gartenpflanzen wie der Garten-Rittersporn oder Fuchsschwanz. Sie tragen in ihrer Vielfalt größtenteils zu unserer Bereicherung bei. Manche Neophyten sind mittlerweile allerdings auch zur Plage geworden. Denn sie verdrängen einheimische Pflanzen – wie der Riesenbärenklau und der Japanische Staudenknöterich – oder sind gesundheitsschädlich wie die Ambrosia. Die umfangreiche Liste des Bundesamtes für Naturschutz umfasst an die 500 Neophyten.

Ursprung und Bezeichnung
Die Nachtkerze stammt aus Nordamerika und wurde im 17. Jahrhundert als Kulturpflanze nach Europa gebracht. Im 18. Jahrhundert erhielt sie von Carl von Linné die wissenschaftliche Bezeichnung Oenothera. Die Pflanzenart mit den wichtigen Inhaltsstoffen wird genau genommen mit dem Namen Oinotheris biennis für zwei Eigenschaften charakterisiert. Er setzt sich aus dem Griechischen oinotheris (weinartig, Weingeruch) und biennis (zweijährig) zusammen. Neben der Geruchskomponente wird damit die Lebensdauer von 2 Jahren ausgewiesen. Im Deutschen lautet der vollständige Name: Gemeine oder Gewöhnliche Nachtkerze. Man nennt sie aber u. a. auch Eierblume, gelber Nachtschatten, Nachtschlüsselblume, Weinblume. Sie zählt mit mehr als 120 Arten zur botanischen Familie der Nachtkerzengewächse, Onagraceae, Pflanze, ist anspruchslos und entfaltet ihr großes Potenzial sogar auf kargen Böden.

Heil- und Nutzpflanze
Die Nachtkerze ist schon von den Indianern als Heilpflanze zur Behandlung von Hautkrankheiten entdeckt worden. Die Samen beinhalten kostbare Inhaltsstoffe und besonders viel der seltenen Gamma-Linolensäure. Daraus wird das Nachtkerzenöl gewonnen. Es wird kosmetisch zur Pflege der Haut, aber auch zur Behandlung verschiedenster Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis genutzt. Weitere Einsatzgebiete sind die Stärkung des Immunsystems sowie Arthritis, Multiple Sklerose, Diabetes, Menstruationsbeschwerden, Atemwegserkrankungen und andere Krankheiten. Auch die anderen Pflanzenbestandteile wie Blätter, Blüten und Wurzeln wendet man in Tees und Umschlägen an. Das hilft bei Hyperaktivität, Verdauungsbeschwerden wie auch zur Blutreinigung. Die Blüten und Blätter können auch als Salate verspeist werden.

Vorkommen und Lebensraum
Die Nachtkerzen hat sich als Wildpflanze verbreitet, wird aber auch stellenweise großflächig angebaut. In Deutschland hat sich ein Biohof mit Ölmühle in Mecklenburg darauf spezialisiert.
Auch Insekten und besonders Schmetterlinge mögen die Nachtkerze – bereits als Raupe finden sie dort ihre Nahrung und als Schmetterling später den Nektar.

Symbolwert
Der kleine Kosmos dieser Pflanze birgt eine große Vielfalt. Die Nachtkerze bietet zusätzlich zu den inneren und äußeren Schätzen auch noch einen hohen Symbolwert: Sie konnte mit ihren individuellen Eigenschaften in einem fremden Umfeld heimisch werden, bezaubert mit der nächtlichen Blütezeit und heilt mit ihren Inhaltsstoffen. Es scheint, als wenn die Blüte trotz ihrer kurzen Lebenszeit eine weitreichende Wirkung hat. Gleichzeitig bietet sie, wie andere Artgenossen auch, einen kostbaren Lebensraum für andere Lebewesen. All das hat man im Laufe der Zeit entdeckt, weil man sich auf die Pflanze eingelassen, sie beobachtet und erforscht hat. So geschieht es auch mit Menschen, wenn man bereit ist, sich mit ihrer Individualität wertschätzend zu befassen. Es entfaltet sich ein gegenseitiger Gewinn.

Weiterführende Weblinks:
http://www.nachtkerzenoel.net/
http://www.naturheilt.com/heilpflanzen/nachtkerzenoel.html
http://gesund.co.at/nachtkerze-heilpflanzenlexikon-23216/
http://www.naturalbeauty.de/magazin/artikel/article/liebling-des-monats-nachtkerzenoel/
http://www.sanderland.de/html/nachtkerze.html